SoLaWi | Solidarische Landwirtschaft | Vortrag von 2015

Gespeichert von hh am Di., 15.12.2015 - 20:44
Verein Solidarische Landwirtschaft e.V.

Man kann etwas gegen Massentierhaltung, Monokulturen und industrielle Landwirtschaft haben, man kann aber auch für etwas sein: Für Solidarische Landwirtschaft! Der Referent Wolfgang Stränz vom Verein Solidarische Landwirtschaft e.V. erläutert in seinem Vortrag am Di. 15.12.2015 ab 19:30 Uhr in der Bürgerwache am Siegfriedplatz wie heute angesichts des globalen Super-Marktes eine bäuerliche, vielfältige Landwirtschaft erhalten bleiben kann, die gesunde, frische Nahrungsmittel erzeugt und die Natur- und Kulturlandschaft pflegt.

Normalerweise muss sich die Landwirtschaft an die Situation der Märkte anpassen. In der Solidarischen Landwirtschaft werden die Kosten des bäuerlichen oder gärtnerischen Betriebes durch die Mitglieder vorfinanziert, so dass die Produkte nicht mehr verkauft werden müssen, sondern nur noch an die Mitglieder  verteilt werden. Der Bezug zwischen dem Geld und den Lebensmitteln wird auf diese Weise aufgehoben und die Lebensgrundlagen des Betriebes und der Mitglieder gesichert. Praktisch sieht es so aus, dass ein Bauern- oder Gärtnerhof Unterstützer sucht, die sich von dem Betrieb mit den dort erzeugten Lebensmitteln versorgen lassen wollen und den Hof finanziell tragen, oder Verbraucher schließen sich zusammen und begeben sich auf die Suche nach einem Hof. Es gibt inzwischen 40 solcher Gemeinschaftshöfe in Deutschland und eine noch größere Anzahl von lokalen Initiativen, die sich um die Gründung von weiteren Höfen bemühen.

In der Regel organisieren die Mitglieder die Finanzierung des Betriebes für jeweils ein Wirtschaftsjahr selbständig und verteilen die Produkte untereinander nach ihrem Bedarf. Sie organisieren sich an ihren Wohnorten in kleinen Gruppen, in denen eine gegenseitige soziale Wahrnehmung noch möglich ist. Organisation, Verwaltung und Mitgestaltungsmöglichkeiten werden unbürokratisch gehandhabt.

Das Spektrum der Betriebsgröße ist breit. Die größten Betriebe sind größer als 100 ha mit Landwirtschaft und Gemüsebau sowie Herstellung von Käse und anderen Milchprodukten, Brot,  Fleisch und Wurst. Auf der anderen Seite gibt es kleine Gärtnerhöfe, die ihre Mitglieder ausschließlich mit Gemüse versorgen. Zusammenarbeit zwischen Betrieben mit unterschiedlicher Ausrichtung existiert ebenfalls, um das Lebensmittelangebot vielfältiger zu machen.

Um Solidarische Landwirtschaft zu betreiben, ist ein Umdenken erforderlich – auf Seiten der Bauern und Gärtner, wie auch auf Seiten der Verbraucher. Die Bauern müssen aufhören, nur Geld verdienen zu wollen, statt gesunde, nachhaltige Landwirtschaft zu betreiben. Und von den Verbrauchern wird verlangt, sich auf etwas einzulassen: Lebensmittel zu essen, die nur regional und saisonal zur Verfügung stehen. Dann verliert der Bauer den Anreiz, viel produzieren zu müssen, sondern er konzentriert sich auf die Qualität der Erzeugung für einen begrenzten Personenkreis. Er gewinnt durch Solidarische Landwirtschaft eine wirtschaftliche Absicherung schon zu Beginn der Produktion. Die Verbraucher bekommen einen Einblick in die Verhältnisse, wie ihre Lebensmittel hergestellt werden und gewinnen dadurch ihre Ernährungssouveränität zurück.

Wenn Verbraucher und Bauern auf diese Weise zusammenarbeiten, dann entstehen Betriebe, in denen eine größere Vielfalt herrscht als bei konventioneller Vermarktung. Der Gesichtspunkt der Rentabilität verliert seine Bedeutung, denn man arbeitet gemeinsam an dem Ziel, konkret Lebensmittel für eine bestimmte Gruppe von Menschen herzustellen, und dem Ziel, den landwirtschaftlichen oder gärtnerischen Betrieb nachhaltig zu bewirtschaften und seine Zukunft zu sichern. Es sollen lediglich die Kosten des landwirtschaftlichen Jahres gedeckt werden. Allerdings gehören zu den Kosten auch die Rücklagenbildung für Neuinvestitionen sowie die Altersvorsorge der Betreiber.

Wer sich auf diese Weise engagiert, beginnt sich mit „seinem“ Hof zu identifizieren und kann direkt Einfluss nehmen, auf welche Weise an Stelle von industrieller Landwirtschaft eine „Agrikultur“ entstehen kann.

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Die Geschichte der solidarischen Landwirtschaft in Deutschland begann 1988 in Fuhlenhagen bei Hamburg. Der Referent Wolfgang Stränz (solidarische Landwirtschaft e.V.) war dort 25 Jahre lang Schatzmeister der “Wirtschaftsgemeinschaft Buschberghof”. Von ihm lernen wir die Geschichte dieses zukunftsweisenden Projekts kennen, in dem Landwirtschaft in Freiheit ohne ökonomischen Zwang praktiziert wird, und verstehen, warum diese neue Form des Miteinanders von Erzeugern und Verbrauchern regen Zulauf erfährt. Inzwischen gibt es nämlich 43 SoLaWi-Betriebe in Deutschland und ungefähr noch einmal so viele Initiativen, die in den Startlöchern stehen. Diese haben sich zum Netzwerk solidarische Landwirtschaft zusammengeschlossen. In den USA gibt es übrigens schon rund 1500 und in Frankreich gar 2000 solcher Gruppen. Das zeigt uns, welches Potential in dieser Form der verantwortungsvollen Landwirtschaft steckt.

Informationen zum Theme Solidarische Landwirtschaft unter http://www.solidarische-landwirtschaft.org

Datum: Di. 15.12.2015 | 19:30 Uhr
Ort: Bürgerwache Siegfriedplatz, Rolandstraße 16, Bielefeld (Saal im Erdgeschoß)

Der Eintritt ist frei! Spenden sind willkommen!