Gärtnerbrief 2021/19 – Erziehung im Folientunnel

Nach dem kräftigen Wärmeschub am Wochenende haben die Pflanzen mit ein bis zwei Tagen Verzögerung auch einen Satz gemacht. Insbesondere die wärmeliebenden Kulturen Paprika, Tomate, Zucchini, Gurke und Stangenbohne freuen sich auch über die nun wärmeren Nächte und die geringeren Temperaturdifferenzen zwischen Tag und Nacht. Hohe Differenzen führen zu sehr gestauchtem Wachstum z.B. bei Tomaten, wo die Blätter dann sehr dicht stehen (verkürzte Internodien). Das kann im folgenden Kulturverlauf zu einer schlechteren Durchlüftung führen, wodurch der Pilzbefall befördert würde. Mit einem Höhentief über Mitteleuropa steht uns in den kommenden 7 Tagen sehr wechselhaftes Wetter ins Haus. In solch einer Periode mit häufigen Schauern ist es wichtig, genau die richtigen Zeitpunkte zum Hacken und Säen zu treffen. Die Kartoffeln freuen sich noch über die Niederschläge, sobald die Blätter rauskommen, sollten aber trockenere Zeiten vorherrschen.
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Vor zwei Wochen hat Axel vom Nachbarhof unsere Kartoffeln gesetzt. Jobst und Marion helfen auf der Pflanzmaschine. Nun wurden sie gehäufelt.
Erziehung im Gemüsegarten
Im Folientunnel hat diese Woche die klassische Sommergärtnertätigkeit angefangen: Tomaten und Gurken pflegen. Jede Tomatenpflanze muss ein Mal pro Woche um die Schnur gewickelt und von Geiztrieben (Nebentriebe in den Blattachseln) befreit werden. Bei Gurken ebenso, außer dass es hier bei warmen Temperaturen auch zwei Mal pro Woche nötig sein wird. Das Wickeln und Ausgeizen dient dazu, der Pflanze die Wuchsrichtung vorzugeben („Erziehung“): Sie soll nicht in alle Richtungen wachsen, sondern mit einem kräftigen Trieb in die Höhe kommen, sodass das Licht optimal aufgenommen werden kann und auch die Ernte einfacher von statten geht. Ich zwinge der Pflanze also eine unnatürliche Form auf, um selbst einen hohen Ertrag zu haben. Könnte man auch als Misshandlung und Ausbeutung betrachten. Würden Frutarier diese Tomaten essen?
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Diese Tomaten waren etwas schwierig zu pflanzen. Sie mussten zwischen dem 60cm hohen Kohlrabi gesetzt werden, der nächste Woche erntereif ist.
Kürbis frisst, was Pferde liegen lassen
Im Freiland stehen nun nach den letzten überstandenen Frostnächten (so meine Prognose) die Kürbispflanzungen auf dem Programm. Ein Teil der Beete wird mit alter Silage von einem Pferdebauern als Mulchschicht abgedeckt. Sobald etwas Schimmel in der Silage ist, können die Pferde es nicht mehr essen – der Kürbis hingegen liebt es. Er mag es ja am liebsten auf einem fetten Komposthaufen mit vielen halbverrotteten Essensresten. Die Silage lassen wir etwas ausgasen und Pflanzen dann den Kürbis hinein. Unsere Sorten dieses Jahr sind Butternut, Hokkaido und Sweet Dumpling.
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Kürbisjungpflanzen
Die Gemüsescheune nimmt Form an
Der Scheunenausbau geht weiter voran. Zimmerer haben die Lücke in der Decke, die die Silos hinterlassen haben, geschlossen. Straßenbaumeister und Solawimitglied Claus Beißner hat sich der Pflasterung angenommen. Zunächst rückte er mit einem Bagger an, um den alten Schutt aus der Scheune zu heben, den Jobst dann direkt mit dem Traktor weggebracht hat. Zurück kam Jobst mit Recycling-Schotter, der in der Scheune verteilt und mit der Rüttelplatte verdichtet wurde. Als nächste Schritte stehen an: Die Betonschwellen wegstemmen, Sand auf dem Schotter verteilen und eben abziehen und dann eine große Pflasteraktion.
Danach folgen die Planung und der Bau des Gemüselagers und eine Treppe nach oben (wer kennt sich damit aus und will mitwirken?)
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Claus verteilt Schotter in der zukünftigen Gemüsescheune (Foto: Marion Swiergot).
Gemüse der Woche 19:
Baby Leaf / Salat, Radieschen, Asiasalat-Mix aus dem Freiland, Schnittlauch zur Selbsternte, Dill, Spinat, Rucola, Hirschhornwegerich.
Sonnige Grüße

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