[Gärtnerbrief] 2020/49 – „Giftspritze im Winter?“

Nun sind die Tomaten und Paprika erfroren. Die Nächte am Wochenende waren deutlich kälter, als ich erwartet habe. Im Folientunnel habe ich am Montagfrüh -6°C gemessen – da waren die noch verbliebenen Früchte tief gefroren und geplatzt. Normalerweise kann ein solcher Folientunnel etwa 3°C in der Nacht puffern, aber es hängt natürlich immer von den jeweiligen lokalen Bedingungen ab. Die Frostnacht war so lang (es begann schon um 16 Uhr zu frieren), dass die Kälte ausreichend Zeit hatte, die verbliebene Wärme aus dem Tunnel zu verdrängen.

Positiv überrascht bin ich immer wieder von der Wirkung vom Vlies. Die Rote Bete und den Knollensellerie haben wir am Samstag mit einer dreifachen Lage Vlies abgedeckt. Die Bodenwärme wird somit langsamer durch die eisige Nachtluft abgekühlt. Hier war am Montagfrüh der Boden weiterhin nicht gefroren und auch die Blätter der Kulturen waren frisch. Das Vlies hat also besser isoliert als der Folientunnel. Im Februar, wenn der Boden kalt ist, die Nächte aber nicht mehr ganz so lang, kann es aber schon wieder umgekehrt sein.

Spritzen im Biogemüsebau?

So schön es sein mag, dass die Pflanzen in warmen Wintern besser wachsen, so wäre es aus einem anderen Grund schön, wenn es diesen Winter mal wieder eine 2-wöchige Frostperiode gäbe. Die letzten Winter sind leider alle ohne eine große Kälteperiode vorüber gegangen. Das macht sich im Schädlingsdruck im Bioanbau stark bemerkbar. Hier merke ich es an der dichten Raupenpopulation. Besonders betroffen sind derzeit Mangold, Feldsalat und Pak Choi. Heute habe ich daher einen ersten Versuch unternommen, die Raupenausbreitung mittels des Bacillus thuringiensis einzudämmen. Die „Gifte“ (Bt-Toxine), die dieses Bakterium produziert, kann man als Pulver kaufen (Xentari) und mit Wasser vermengt auf die Kulturen spritzen. Bei den Schmetterlingsraupen (Nachtfalter wie Salateule), die diese Blätter fressen, greifen sie die Darmwand an und führen zum sofortigen Fraßstopp. Die Präparate wirken ausschließlich gegen Schmetterlingsraupen und sind für andere Lebewesen (Pflanzen, Wirbeltiere…) keine Gefahr. Bacillus thuringiensis kommt auch ganz natürlich im Boden vor und lebt in Symbiose mit Pflanzenwurzeln, um diese vor Fressfeinden zu schützen. Im Austausch bekommt es Nährstoffe von der Pflanze.

Wenn ihr mich also mit einer roten Rückenspritze ’rumlaufen seht, müsst ihr nicht gleich an das Schlimmste denken, sondern wisst, dass auch Biogärtner Spritzmittel einsetzen, um die Gemüsepflanzen vor Schädlingen zu schützen. Nur sind diese rein biologischer Natur. Sie kommen also in der Natur sowieso vor, sind abbaubar und reichern sich nicht in der Nahrungskette an.

Im Gen-Mais von Monsanto/Bayer MON810 – der in Deutschland zugelassen ist – ist die Maiszelle so verändert worden, dass sie eine andere, aktivierte Form des Bt-Toxins während des Wachstums produziert, sodass jedes Blatt und auch die Pollen erhebliche Mengen an Bt-Toxinen enthalten. Dieser Mais wird daher nicht von Maiszünslern befallen (unser Zuckermais hingegen schon). Aufgrund der enormen Konzentration, der aktivierten Form des Bt-Toxins und der Verbreitung in der gesamten Maispflanze inklusive der Pollen sind jedoch auch weitere Schmetterlingsarten und vielleicht sogar Bienen betroffen (https://www.gen-ethisches-netzwerk.de/bt-mais-wirkt-auch-am-ziel-vorbei).

Programmierer*in unter euch?

Mal eine ganz andere Frage: Hat jemand von euch oder euren Kindern Lust, eine Kühlungslüftung zu programmieren? Gibt es eine*n Programmierer*in unter euch, die/der sowas kann? Vereinfacht gesagt geht es darum, dass ein Raum mit Außenluft des Nachts gekühlt werden soll. Dafür wird die Innen- und Außenluft gemessen. Ist die Außenluft tiefer, sollen die Klappen automatisch geöffnet und der Ventilator gestartet werden. Ich habe davon keine Ahnung, aber ich kenne eine Solawi, wo ein Mitglied eine solche Lüftung programmiert hat. Diesen Kontakt kann ich vermitteln. 


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